Wussten Sie schon...?

Weihnachts- und Neujahrsbräuche aus Lateinamerika

Wussten Sie schon…

(Weilheim, Dezember 2021) …dass es in den überwiegend katholisch geprägten Ländern Lateinamerikas neben den uns bekannten Weihnachtsbräuchen auch einige lokale Eigenheiten gibt? Hierzu nehmen wir Sie mit auf eine Reise nach Mittel- und Südamerika und schauen uns besondere Bräuche und Traditionen zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel an.

Reisen wir zuerst nach Kolumbien. In Kolumbien hat der katholische Glaube einen sehr hohen Stellenwert. Somit sind Traditionen und besinnliche Tage mit Familie und Freunden an Weihnachten ein Muss. Allerdings läuft der gesamte Dezember dort doch etwas anders ab als bei uns: anstelle Kälte und Schnee, Punsch und Glühwein feiern die Kolumbianer (je nach Region) bei 30 Grad und Sonnenschein, heißen Rhythmen und kühlen Cocktails.

Pereira, Weihnachtsbeleuchtung Parque El Lago

Eine ganz besondere Tradition pflegt Kolumbien am 07.12. Anstelle eines Nikolausfestes wird die „Noche de las Velitas“, die Nacht der Kerzen gefeiert. Im ganzen Lande erstrahlt ein Lichtermeer zu Ehren Marias. Sobald die Dämmerung einsetzt, treffen Familien zusammen und zünden in und um das Haus herum Kerzen an um der Heiligen Maria den Weg zu Ihren Häusern zu zeigen. Auf Balkonen, in Hauseingängen, auf den Fensterbänken, in den Straßen und Plätzen werden brennende Kerzen und Laternen aufgestellt. In einem unglaublichen Lichtermeer feiern die Menschen ausgelassen mit viel Musik bis in den frühen Morgen hinein.

Medellín, Weihnachtsbeleuchtung

In der Zeit vom 16. bis 24.12., also den letzten 9 Tagen vor Weihnachten, beginnen die Weihnachtsmessen, zu denen die Familien schon zusammenkommen. An jedem dieser Tage wird ein Stück aus der Bibelgeschichte vorgelesen.

Die wichtigste Messe ist die Mitternachtsmesse vom 24.12. auf den 25.12. Anschließend dürfen die Kinder, die es kaum mehr erwarten können, die Geschenke auspacken. Die Kinder, die vor Müdigkeit und Aufregung bereits eingeschlafen sind, finden die Geschenke morgens unter Ihrem Bett.

Am 25.12., dem eigentlichen Weihnachtsfeiertag, feiern die Familien festlich gekleidet und mit vielen Köstlichkeiten zum Essen und Trinken den Tag miteinander. Was zur Feier auf den Tisch kommt, hängt von der Region ab und vom dem, wieviel sich die Familien leisten können.

Ganz farbenfroh und wortwörtlich „erleuchtend“ wird die Weihnachtszeit aber in den beiden Städten Medellín und Cali.

Medellín ist bekannt für mildes Klima und eine wunderschöne Blumenpracht, aber diese Stadt ist berühmt für ihren unglaublichen Lichterglanz. Unzählige Glühbirnen und Lichtergirlanden, Weihnachtsbeleuchtung und –schmuck, verwandeln Medellín in ein unbeschreibliches Lichtermeer. Es mag uns kitschig vorkommen, aber diese Vielfalt, auch an ausgefallenen Motiven blinkend und leuchtend, werden Sie in mehr als 100 Parks und Plätzen und entlang des Medellín Flusses verzaubern.

Cali bietet seinen Gästen viel Abwechslung. Weihnachten ist in Cali ein besonderes Ereignis. Vom 25. bis 30.12. findet die Cali Fair statt, die 1957 zum ersten Mal stattfand und kulturelle, ethnische und musische Vielfalt fördern soll. Große Partys, Pferdeparaden und ausgelassene Salsa Tänze unter freiem Himmel bieten ein atemberaubendes Spektakel. Tanzen Sie einfach mit und lassen Sie sich von den gutgelaunten Kolumbianern mitreißen. Dieses Weihnachten werden Sie nie vergessen.

Reisen wir weiter in das südlich an Kolumbien angrenzende Peru. Hier sagt man nicht Feliz Navidad als Weihnachtswunsch, sondern „Feliz Pascua“! Pascua heißt eigentlich Ostern, das Fest der Auferstehung wird in Peru allerdings nicht so gefeiert wie bei uns üblich.
Peru feiert Pascua auch mit vielen familiären Traditionen, aber nach Mitternacht kommt eine für uns ungewöhnliche Überraschung. Das Weihnachtsessen, meistens ein gefüllter Truthahn nach amerikanischem Vorbild, wird erst um Mitternacht gegessen und anschließend werden im Gegensatz zu unserer stillen und heiligen Weihnachtsnacht Feuerwerkskörper, Raketen und Böller gezündet wie es bei uns nur zu Neujahr üblich ist.

Lima, Weihnachtsbaum auf der Plaza Mayor

Neben dem Feuerwerk beeindruckt eine weitere Tradition in Peru: die der Krippen, auch El Nacimiento (übersetzt: die Geburt) genannt. In den meisten Ländern Südamerikas sind diese von großer Bedeutung, aber in Peru gibt es eine Besonderheit. Die Figuren, das Jesuskind, Maria und Joseph und alle weiteren Personen ähneln einer peruanischen Familie. Daher darf natürlich auch das landestypische Lama nicht fehlen. Erst am Heiligen Abend wird das Jesuskind von der Familie in die Krippe gelegt, es wird ja schließlich erst an diesem Tage geboren. Auch in den Städten sind immer große, wunderschöne Krippen aufgebaut welche man bestaunen kann. Die Geschenke werden zur Krippe gelegt, wobei die Kinder in einigen Regionen Perus lange warten müssen, denn dort werden die Geschenke erst am 06. Januar geöffnet.

Krippe mit Maria und Josef

Ganz typisch für Peru und Weihnachten ist ein mit kandierten Früchten und Rosinen gefüllter Hefeteigkuchen namens Panetón. Dazu wird heiße, dickflüssige Schokolade getrunken. Weihnachten ist auch die Zeit des Teilens. In manchen Städten wird heiße Schokolade an ärmere Menschen verteilt und häufig wird dazu ein Stück vom Panetón gereicht.

Auch wir kennen die klassische italienische Panettone bei uns in der Weihnachtszeit. Doch wie hatte es die Panettone nach Südamerika geschafft? Es ist eine wirklich nette Legende, die besagt, dass ein Bäckerlehrling namens Toni sich in die adelige Tochter einer Kaufmannsfamilie aus Mailand verliebt hatte. Um ihr seine große Liebe zu zeigen kreierte er dieses Brot in Form einer Kuppel, gefüllt mit Rosinen und getrockneten Früchten und einem wunderbaren Zitrusaroma. Sein Brot, das „Pan de Toni“, unser heutiges Panettone, wurde berühmt. Letztendlich gelangte es mit einer italienischen Familie nach Südamerika und somit war das Panéton geboren.

Panettone

Nach Nikolaus und Weihnachten kommt selbstverständlich Silvester. Auch hier gibt es schöne Bräuche in Peru. Selbstverständlich auch Anstoßen und Feuerwerk um Mitternacht wie bei uns, aber es gibt noch mehr. Können Sie sich vorstellen was Peruaner mit 12 Weintrauben („doze uvas“), gelber Unterwäsche und vollgepackten Koffern an Silvester machen? Ich verraten es Ihnen: zu jedem Glockenschlag um Mitternacht wird eine Traube gegessen, jede dieser Trauben symbolisiert einen Monat des neuen Jahres und sie sollen ein gesundes und erfolgreiches Jahr bringen. Die gelbe Unterwäsche, die man sich selbstverständlich nicht selbst kaufen darf, sondern sich schenken lassen muss, soll Glück bringen und die gepackten Koffer sollen schöne Reisen bringen! Das glauben Sie mir nun nicht? Doch tatsächlich, damit dieser Traum in Erfüllung geht, spazieren die Peruaner mit den Koffern einmal um den Block oder den Park!

Nun verlassen wir Peru und reisen weiter nördlich nach Mittelamerika in herrlich warme Gefilde zur Weihnachtszeit, nach Costa Rica. Im Dezember ist bereits Trockenzeit und es steht einem schönen Urlaub nichts im Wege.

Natürlich gibt es in Costa Rica auch die heiligen Messen und Feiern in der Familie, das Essen und die Geschenke. Aber ungewöhnlich für uns dürfte das sein, was am 26.12. geschieht. Es beginnen die El Tope Feierlichkeiten, wobei eine fast unendliche Reiterparade durch die Straßen der Hauptstadt, San José, zieht. Dieses Ereignis wird auch im Fernsehen übertragen und somit haben fast alle Menschen die Möglichkeit mitzufeiern.

Das El Tope hat eine lange Tradition und geht zurück auf die Zeit als die United Fruit Company Rinder für die Bananenplantagen in Costa Rica importierte und nach Ankunft in den Häfen zusammentreiben musste. Viele Ticos und Ticas, die Einwohner Costa Ricas, tragen Cowboy Kleidung um das Fest angemessen zu begehen. Dass hierbei gut und gerne gegessen und getrunken wird, liegt auf der Hand.

Apropos essen und trinken: In Costa Rica – wie auch in anderen Ländern Lateinamerikas – gibt es zu Weihnachten einige besondere Spezialitäten, von denen wir Ihnen zwei in unserer Rubrik „Gaumenfreuden aus unseren Zielgebieten“ vorstellen.

Die Weihnachtsbräuche enden in fast allen mittel- und südamerikanischen Ländern am 06.01., dem Día de los Reyes, den Heiligen Drei Königen. So wie in manchen Regionen Perus müssen auch die Kinder Argentiniens bis zu diesem Datum warten. Bei deren Brauch werden wir an Nikolaus erinnert, denn in Argentinien putzen und ordnen die Kinder ihre Schuhe und stellen sie neben ihr Bett oder die Türe, damit die Könige dort ihre Geschenke ablegen können. Sie denken aber nicht nur an sich, sondern auch an die Pferde der Heiligen Drei Könige und legen etwas Heu und Wasser vor die Tür.

Mit diesem schönen Brauch endet die Reise hier. Sollten Sie Lust verspüren die vielen Lichter Kolumbiens, die Krippen Perus oder das Festival Costa Ricas kennen zu lernen, lassen Sie es uns wissen. Falls es nicht klappen sollte, dass sich Ihre Traumreise aufgrund des Koffertragens um den Häuserblock realisiert, stehen wir Ihren gerne zur Seite.

Letztendlich muss leider noch erwähnt werden, dass viele Bräuche in den genannten Ländern aufgrund Covid-19 nicht so stattfinden können wie beschrieben, aber wir hoffen alle auf ein zufriedenes 2022.

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