Unterwegs in der Türkei

Ein Reisebericht

Lena Greinwald in der Türkei

Ich beginne meine Reise im Mai 2018 in Istanbul, der einzigen Stadt weltweit, die auf zwei Kontinenten liegt – Europa und Asien. Istanbul fasziniert mich vom ersten Augenblick an. Zuerst stürze ich mich ins Getümmel des Gewürzbasars (auch als Ägyptischer Basar, auf Türkisch Mısır Çarşısı bekannt). Die Händler bieten neben Gewürzen vor allem Tee, Stoffe, Schwämme und Seifen, orientalische Lampen und das berühmte Turkish Delight – probieren erlaubt.

Weiter geht es zur Cisterna Basilika (auch Versunkener Palast). Die unterirdische Zisterne aus dem 6. Jahrhundert diente als Wasserspeicher für den kaum noch erhaltenen Großen Palast. Heute ist die Cisterna Basilica nur noch ca. 30 cm hoch mit Wasser gefüllt, darin entdeckt man helle Fische. Die Säulenreihen entlang glänzt warmes Licht direkt über der Wasseroberfläche. Im Hintergrund klingt leise klassische Musik. Eine besondere und faszinierende Atmosphäre!

Es stehen noch viele weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Highlights sind zum Beispiel die Hagia Sophia, die Blaue Moschee (wegen Bauarbeiten leider nur von außen), ein Bücherbasar und die Süleymaniye Moschee.

Am Marmara-Meer entlang geht es nun nach Gallipoli, Kriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs. Ein bedrückender und, gerade für meine australischen und neuseeländischen Mitreisenden, ein emotionaler Ort.

Abends fahren wir mit der Fähre über die Dardanellen nach Çanakkale, ein hübsches Hafenstädtchen und entspanntes Wochenend-Ziel der Istanbuler. Prominenteste Sehenswürdigkeit: das Trojanische Pferd, das als Filmrequisite für den Film „Troja“ diente. Die Ausgrabungen von Troja sind nämlich gleich um die Ecke. Der Untergang der antiken Stadt ist dank Homers Sagen bis heute legendär, doch was viele nicht wissen: Es war weder Trojas erster Fall, noch war es ihr letzter. Ganze 10 mal wurde die Stadt seit der frühen Bronzezeit zerstört und wieder aufgebaut.

Die nächste Ausgrabung ist Ephesus: Eine Metropole, eine der reichsten und einflussreichsten Städte ihrer Zeit. Mit dem Artemistempel ist hier sogar eines der sieben Weltwunder der Antike zu finden, auch wenn von dem Tempel leider nicht mehr viel übrig ist. Umso besser erhalten sind dafür eine Vielzahl an weiteren Bauten, allen voran die beeindruckende Fassade der Celsus Bibliothek und die Prachtstraße, gesäumt von Säulen, Mäuerchen und in der Sonne dösenden Katzen.

Weiter geht es in das Landesinnere zu einem ebenfalls schon in der Antike bekannten Ziel: Pamukkale (zu Deutsch: Baumwollschloss). Kalziumhaltiges Thermalwasser fließt hier den Berg hinab und hat so strahlend weiße Terrassen gebildet, durchsetzt von hellblauen Pools. Barfuß gehen wir über den rauen Kalk, das warme Wasser umspült unsere Füße. Wellness! Es heißt, schon Kleopatra hat die wohltuende und heilende Wirkung dieses Ortes erkannt. Die Kalksinterterrassen sind ein einzigartiges Naturdenkmal, das sieht übrigens auch die UNESCO so. Wer noch Energie hat für noch mehr Ausgrabungen, sollte sich Hierapolis, am Berg hinter Pamukkale, nicht entgehen lassen.

Auf halbem Weg zwischen Antalya – hier ist ein Bummel durch die charmante Altstadt absolut empfehlenswert! - und Kappadokien liegt Konya. Hier ist der Mevlevi-Orden zu Hause, eine Sufi-Bruderschaft, gegründet von Rumi (Beiname Mevlana: „unser Meister“). Besser bekannt sind die Anhänger Mevlanas als Tanzende Derwische. Wir lernen den Orden im Mevlana-Museum besser kennen und tauchen dann noch tiefer in deren Welt ein: Wir dürfen einer Zeremonie der Tanzenden Derwische beiwohnen. Wir sind in einer Karawansaray, es ist dunkel, nur die Mitte des Saals ist hell erleuchtet. Zuerst beten die Männer zusammen, dann stimmen sie die ersten Töne an. Bald schon drehen sich die weiß gekleideten Derwische im Kreis, um Ihre eigene Achse und umeinander. Eine Hand ist dabei nach oben gereckt, zum Himmel, um zu empfangen, die andere Hand ist nach unten gerichtet, zur symbolischen Weitergabe der empfangenen Weisheit an die Mitmenschen. Zum Ende der Zeremonie sind auch wir wie in Trance, und ein Mitreisender beschreibt das Erlebnis am besten: Hauntingly beautiful!

Die streng religiöse Stadt Konya nimmt den gerade begonnenen Ramadan sehr ernst: Zum Abendessen werden wir auf der Dachterrasse „versteckt“, denn bis von den Minaretten der Ruf zum Fastenbrechen ertönt, müssen gläubige Muslime noch etwas warten. Doch sobald es später soweit ist, eilen die meisten nicht zum Abendessen, sondern zur Moschee. Sie versammeln sich auf ihrem Vorplatz (Männer und Frauen durch einen Sichtschutz getrennt) und beginnen ihr Gebet. Immer mehr Menschen schließen sich im Laufe des Abends an, und als wir schließlich nachts zu unserem Hotel – zu unserem Glück direkt gegenüber der Moschee - zurückkehren, ist noch lange kein Ende in Sicht. Zum Gesang des Imam schlafen wir schließlich ein. Geweckt werden wir auf dieselbe Weise und sind sofort auf den Beinen, denn unser heutiges Reiseziel ist ein lang ersehnter Traum: Kappadokien!

Erster Halt: die unterirdische Stadt Derinkuyu. Unterirdische Städte gibt es in der Gegend mehrere. In Derinkuyu sehen wir zum Beispiel Wohnungen, Küchen, Unterrichtsräume, Tunnel und Belüftungsschächte. Oft konnten in diesen ausgeklügelten Systemen zehntausende Menschen über Monate versteckt unter der Erde leben.
Unser Hotel ist an sich schon eine Sehenswürdigkeit: die Räume sind in das weiche Vulkangestein eingehauen, verbunden durch in den Stein gemeißelte Treppen und Terrassen auf mehreren Ebenen, unter denen es steil bergab geht.

Um 3 Uhr morgens klingelt mein Wecker, schließlich wollen wir heute vor Sonnenaufgang an unserem Ziel ankommen und haben bis dahin noch einiges vor. Von Ortahisar fahren wir nach Göreme, dort gibt’s Frühstück, später eine Einweisung, anschließend eine etwa 30-minütige Fahrt zum Startplatz. Es beginnt hell zu werden. Noch ein paar Vorbereitungen und Checks, ein weiteres Sicherheitsbriefing, alle reinklettern. Dann geht es los. Unser Heißluftballon hebt mit einem Ruckeln ab und steigt gen Himmel. Unter uns erstreckt sich die verzauberte vulkanische Landschaft Kappadokiens, Gesteinsformationen, Rosenbüsche, vereinzelte, in den Fels eingehauene Dörfer, Weinberge, Feenkamine. Hinter einem Berg lugt inzwischen die Sonne hervor und schickt einzelne Sonnenstrahlen herab. Der Ballon schwebt lautlos dahin. Ebenso wie die anderen: mehr und mehr Heißluftballons heben ab und tragen so ihren Teil zu diesem einzigartigen Erlebnis bei. Die Landung erfolgt zentimetergenau auf einem Anhänger, darauf stoßen wir gerne mit unserem Piloten mit einem Glas Champagner an.

Wir sammeln die Langschläfer unserer Gruppe auf und schnüren die Wanderschuhe. Zu Fuß entdecken wir das sagenhafte Rosental hautnah.

Nach unserem Besuch im Freilichtmuseum Göreme steht Action auf der Tagesordnung. Mit Quads und Vollgas toben wir uns aus, bevor wir durch kleine Dörfer und zwischen Felsformationen hindurch unser Etappenziel ansteuern. Hier bietet sich uns einer der spektakulärsten Ausblicke Kappadokiens auf das Love Valley. Übrigens: wie wir am Abend feststellen, ist es hier bei Sonnenuntergang am schönsten!

Auf dem Rückweg: Wolkenbruch. Innerhalb einer Minute gießt es in Strömen. Aber durch den Matsch macht das Quadfahren gleich noch mehr Spaß. Beim nächsten Programmpunkt werden wir ja wieder sauber: wir entspannen bei einem Hammam-Besuch inklusive Massage.

Nächster Morgen, wieder 3 Uhr: Aus den Federn und zurück zum Startplatz der Heißluftballons. Gestern lag unser Fokus hauptsächlich auf der kappadokischen Landschaft, heute wollen wir uns auf die Ballons selbst konzentrieren. Und es ist den Schlafmangel absolut wert. Mit den ersten Sonnenstrahlen füllt sich der Himmel bis zum Horizont mit hunderten Heißluftballons aller Farben und Muster. Wir sind sprachlos und nur noch glücklich…

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